Elting's Notizblog

strange stuff and other unusefull things

Kleinstadtrealitäten

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Sie versteht die Welt nicht mehr. Alles ist zusammengebrochen. Alles was
sie wollte ist: raus. Raus aus der Armut. Raus aus dem Dreck, raus aus
dem ganzen hoffnungsleeren Mist. Dieser gescheiterten Welverbesserungsanstalt, die man heute Russland nennt. Und vorher
Sowjetunion, und sich davor ein Zarenreich nannte, bekackter Mist das
wissen wir alle.

Sie wollte nach Deutschland mit ihrem Sohn und jetzt sitzt sie hier im Gerichtssaal einer beschissenen deutschen Kleinstadt hinter den Mördern ihres Sohnes und muss sich mit ansehen, wie sie ihre Geständnisse loswerden und haarklein bis aufs Detail erklären wie sie ihrem Sohn das Messer in den Leib rammten immer und immer wieder. Wie sie nicht genug davon bekommen konnten und dachten er sei noch am Leben, weil Luft aus den Lungen sich durch die frisch aufgeschlitzten und blutenden Wunden zwängte um mit einem “röchelnden Geräusch” wie er es nannte, in die Aussenwelt zu dringen. Wie sie dachten, dass es eine gute Idee wäre, ihn mit einem Hammer das Gesicht zu zertrümmern damit keiner rauskriegt wer er war. Diese Kinder. Haben wohl ein bißchen zuviel schlechte Krimis geschaut. Es schien jedenfalls einen Heidenspaß zu machen, denn immerhin kamen sie noch viermal in jener Nacht zu seiner vorletzten Ruhestätte um den Toten zu malträtieren, als Versuchsobjekt zu gebrauchen. Wie Kinder mit einem Stock ein totes Tier am Straßenrand untersuchen. Zimperlich waren die Jungs nicht, das muss man ihnen lassen. 32 Messerstiche durch eine Lederjacke und mit dem Hammer bis zum Stammhirn vorgearbeitet, da gehört schon eine Menge Willensstärke dazu. Nunchakus, Hammer und Messer das ist doch mal ein fröhliches
schlachten von so einem Ausländerschwein.

Denken so einige im Saal.

Und nun sitzt sie da mit ihren geplatzten Träumen muss sich diesen
Scheiß reinziehen während hinter ihr die “Sympathisanten” sitzen, mit
ihren T-Shirts verbotener Bands und Soldaten mit Stahlhelm, wie sie da
sitzen und sich einen abgrinsen, dass es selbst dem Richter auffällt und
sie zur Raison bringen muss.

Sie bricht zusammen, kann nur noch weinen.

Diese Veranstaltung ist keine Gerichtsverhandlung, es ist eine
emotionale Tortur für alle, fast alle, Anwesenden. Die Mörder selbst
noch Kinder zwischen 14 und 18 Jahren scheinen sich in eine Art
autistischem Trancezustand zu befinden, da ihr Bericht trockener ist als
der des Gerichtsmediziners, als würden sie diesen vielgehassten
obligatorischen Urlaubsbericht nach den großen Ferien vor ihrer Klasse vortragen.
Der Staatsanwalt ist sichtlich aufgebracht, immer wieder ballt er sein
Gesicht zu einer Faust und versucht so etwas wie Reue oder irgend eine
andere Art des menschlichen Mitgefühls ihrer Tat gegenüber zu entdecken
oder rauszukitzeln. Nichts. “Wenigstens hat er nicht geheult” – sagt einer der Väter zu seiner Frau. Willkommen in Deutschland.

Written by elting

February 25, 2008 at 7:01 pm

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